Reizthema Fluglärm

STÖREND IST NUR DER LÄRM ANDERER

Witterschlick ist eine kleine Gemeinde westlich von Bonn. Dort gab es einmal einen Fußballplatz, mehr als 15 Jahre lang. Weg geklagt!!!! Zwei Anwohner hatten sich über den Lärm der kickenden Kids, die Anfeuerungsrufe der begeisterten Eltern und die Staubentwicklung beim Spiel (verschmutzt die frisch gewaschene Wäsche auf der Leine) mit juristischer Hilfe zur Wehr gesetzt.

EINWOHNER HINZUGEWONNEN

Geislar ist eine kleine Gemeinde östlich von Bonn. Sie liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Flugplatz Bonn-Hangelar und hat dank eines Neubaugebietes, ähnlich wie Maisach, Gernlinden, Emmering usw.Einwohner hinzugewonnen. Ein "Neu-Geislarer" hat vor einem Jahr unter der Platzrunde vom Flugplatz Hangelar gebaut und möchte nun, daß die Platzrunde verlegt oder der Flugplatz geschlossen wird, da ihn der Fluglärm stört. Eine Situation, die einem hier in Fürstenfeldbruck bekannt vorkommen muss. Dem Bonner General-Anzeiger, als die dortige Lokalzeitung, war das Aufbegehren des Bauherrn Anfang Mai 1999 fast eine ganze Seite wert. Autobahn und Eisenbahn, die ebenfalls in der Nähe des Neubaugebietes vorbeirauschen, stören den "Neu-Geislarer" nicht. " Das sind Hindergrundgeräusche, an die ich mich längst gewöhnt habe," sagt der Neuzugezogene. Die Flugzeuge sind es, die ihn stören.

Was verbindet nun den Fußballplatz von Witterschlick, der Platzrunde von Hangelar mit dem Flugplatz von Fürstenfeldbruck ?

Alle drei Fälle sind typisch für ein gesellschaftliches Phänomen, das verstärkt den Umgang mit Mitmenschen zu bestimmen scheint. Nach der "Hoppla-jetzt-komm-ich-Methode" ignoriert man fahrlässig und vorsätzlich bestehende Fakten (Fußballplatz, Platzrunden und Flugplätze) und fordert rücksichtslos deren Abschaffung. Man könnte weitere Fälle, deren Absurdität gerichtlich festgeschrieben wurde hinzufügen: Kirchenglocken, die aus Lärmschutzgründen nach 200 Jahren verstummen müssen, Kühe im Allgäu, die aus Lärmgründen keine Glocken mehr tragen dürfen und man vergesse nicht den Hahn auf dem Mist, der nicht mehr krähen darf.

PHYSIKALISCHE GRÖSSEN UNTAUGLICH

Der Umgang mit dem Lärm ist eine große gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit, besonders für die, die über viel Zeit verfügen.

Merkwürdigerweise sind alle, die außerhalb der häuslichen Gemeinschaft aktiv sind betroffen: Fußballspieler, Tennisspieler, Motorsportler, Wassersportler besonders aber die allgemeine Luftfahrt und die Luftsportler. Lärm ist immer das, was andere machen!! Deshalb ist die physikalische messbare Größe, der Geräuschpegel, die Grundlage einer sachlichen Diskussion sein sollte, schon lange untauglich.

Lärm ist weniger ein physikalisches Problem denn ein psychologisches. Dies zeigt sich auch in einem Zitat des "Platzrunden-Bauherrn" aus Geislar, der den Flugzeugen unterstellt, daß die Flieger leise (!!!!), anschließend aber dann plötzlich so laut sind, daß man sich nicht mehr unterhalten kann.

GRENZE ERREICHT

Die (Flug-) Lärmproblematik darf nicht allein technisch angegangen werden, zumal die Flugzeuge heute nachweislich im Durchschnitt leiser sind als andere Verkehrsmittel. Die Reduzierung der Schallemission von Flugzeugen hat in vielen Fällen die Grenzen des technisch Meßbaren bereits erreicht. Weiß das eigentlich der Flugplatzanrainer von Fürstenfeldbruck oder will er es gar nicht wissen??? Das zweite ist in vielen Fällen naheliegender.

Egal wie absurd manche Forderung nach Geräuschreduzierung auch sein mögen, oder wie lächerlich und unwahr Behauptungen sein mögen, Gerichte urteilen entsprechend der Betroffenheit. Und da zählt nicht, ob man neben einem Kirchturm baut, dessen Glocken seit 200 Jahren an jedem Sonntag läuten oder ob jemand Fußball oder Tennis spielt oder wenn man sich nicht einfach aktiv (also "laut") verhält. Und wer bitteschön, kann von sich behaupten, daß er dies nich tut??? Entscheidend ist, daß in Zukunft aktive Öffentlichkeitsarbeit die Betroffenen im Vorfeld positiv beeinflussen muß. Wie lange brauchen aktive Fußball-, Tennisspieler oder Sportler, die sich in ihrer Freizeit aktiv betätigen noch, um sich solidarisch mit denen zu zeigen, die es heute trifft. Morgen geht es ihnen vielleicht an den Kragen und wenn es nur der eigene Arbeitsplatz ist. Wir haben ja genügend davon.

Andreas Boehl
info@fursty.de

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