Bled gelaufen? Von wegen !!! Fluglager in Slowenien
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Wie viele Fursty-Mitglieder sicher wissen, haben wir uns in diesem Jahr zur Durchführung eines Segelfluglagers in Lesce-Bled in Slowenien entschlossen. Lesce ist als Ausgangspunkt für Streckenflüge in den Alpen recht bekannt und liegt in einem traumhaft schönen Gebirgstal am Rand der Karawanken. Nach einigem Email-Verkehr mit der Flugplatzverwaltung war ich gespannt, was uns dort erwarten würde, schließlich bin ich als frischgebackener Segelflugreferent nicht gerade erfahren im Organisieren eines Fluglagers.
Start ist der 28. Mai. Der Erwin trifft sozusagen als Spähtrupp mit der LS4 in Lesce ein. Leider ist kein fliegbares Wetter, so daß bis zu zur Ankunft der „Hauptmeute“ , bestehend aus Christian, Fabian, Manuel, Jens und meiner Wenigkeit nicht geflogen werden kann. Trotzdem bauen wir sofort nach unserer Ankunft den Janus auf und führen die ersten Checkflüge durch. Danach beschließen wir den Abend im urgemütlichen Vereinsheim des Flugvereins und stellen die ersten Kontakte mit den hiesigen Fliegerkollegen her.
30. Mai: Hammerwettter vom Typ 1A!!
Kaum rollt die Schleppmaschine zum ersten F-Schlepp des Tages an den Start, springt der Erwin in den Janus (hinterer Sitz), schnappt sich den Christian als Piloten und ab geht’s. 700 unvergeßliche Streckenkilometer werden aus diesem über neunstündigem Flug . Wir „Daheimgebliebenen“ genießen erstmal das schöne Wetter . Da sich für mich am ersten Tag keine Gelegenheit zum Checkflug ergeben hatte, hole ich mir einen einheimischen Fluglehrer, den Milan, und fliege mit ihm im Blanik eine Runde. Sprachliche Probleme haben die Einweisung eine schweigsame Angelegenheit werden lassen, aber nach ein paar Überziehübungen und einem Looping, dem zweiten selbstgesteuerten meines Lebens, hatte ich die Gewißheit, daß ich nun unbeschwert in Bled fliegen darf.
31. Mai: Hammerwetter vom Typ 1B!!
Wieder geht der Erwin auf große Reise, diesmal mit dem Fabian, es werden wieder 500 Streckenkilometer. Dem Fabian ist die Freude beim Aussteigen deutlich anzumerken, erst am späteren Abend weicht das Dauergrinsen aus seinem Gesicht. Ich selbst bin auch fleißig am Üben und klinke nach dem ersten F-Schlepp hinter der Piper- Pownee grenzenlos optimistisch in 500 Meter Höhe aus und gedenke auch ohne Hangflugerfahrung in der Luft zu bleiben. War aber nicht so, nach 20 Minuten bin ich wieder am Boden, probiere das gleiche Spiel nochmals mit 800 Meter Ausklinkhöhe und gleichem Ausgang. Beim dritten Versuch schleppt mich der Pilot auf 1100 Meter mitten in´s Gebirge und raunzt mich nach dem Ausklinken an, ich solle gefälligst an den Hang fliegen. Mir ist trotzdem nicht wohl dabei, ich entschließe ich zur sofortigen Flucht in´s Tal, mag er doch denken, was er will. Schließlich wird es noch ein wunderschöner Flug, der mich immerhin bis zum Gipfel des Hochstuhls trägt.
Übrigens haben wir den Schlepppiloten („Werner“, ehemaliger Lufthansa-Mitarbeiter im Ruhestand) in der Folgezeit als derben, immer zu heftigen Sprüchen bereiten Mitmenschen kennen und fast ein bißchen lieben gelernt. Auf alle Fälle hatte er einen wesentlichen Anteil daran, daß wir in diesem Fluglager ausgesprochen viel gelacht haben und eine Menge Spaß hatten.
1. Juni: Leider kein fliegbares Wetter.
Am Morgen fliegen der Markus (Pöllmann) und Andreas (Mehl) mit der Lima-Golf noch schnellstmöglich ab Richtung München, um nicht durch das schlechte Wetter gegrounded zu werden. Die beiden haben uns zwei Tage lang besucht und das gute Wetter tags zuvor zu einem Abstecher zum Baden an die Adria genutzt.
Wir selbst entschließen uns zu einer Bergwanderung auf den Debrca, wo wir nach einem beschwerlichen Aufstieg freudestrahlend bemerken, daß die Berghütte auch wochentags bewirtschaftet wird. Der freundliche Wirt serviert uns Radler und eine ausgezeichnete Gulaschsuppe. Außerdem hatten wir an diesem Tag das erste Mal Gelegenheit, der slowenischen Nationalmannschaft im Fallschirmspringen beim Üben von Ziellandungen zuzuschauen. Unglaublich, das Ziellandefeld, eher eine Zielschiebe, mißt vielleicht 50 cm im Durchmesser, Null Fehlerpunkte gibt es beim Treffen eines Scheibchens von ca. 3 cm Durchmesser. Der Erwin meint, da hätte er angesichts seiner Schuhgröße 47 gute Trefferchancen, doch auf Nachfragen erfahren wir, daß die Springer eine Art „Stöckelschuh“ verwenden, um genau zu treffen. Die Springer sind auch in der Folgezeit unsere stetigen Begleiter beim Frühstück vor dem Vereinsheim.
Die nächsten Tage werden wir auf eine harte wetterbedingte Geduldsprobe gestellt. Alles, was gelingt, sind einige Flüge mit der DG-500, die der Peter (Kandlbinder) mit nach Bled brachte. Wir versuchen uns so gut es geht bei Laune zu halten, was uns auch leidlich gelingt.
6. Juni: Endlich wieder Flugwetter!!
Peter, der sich freundlicherweise bereit erklärt hatte, den Sonntag noch zu bleiben, fliegt zuerst mit mir im Janus eine Stunde, bringt mir den Hangflug näher und fliegt anschließend mit dem Manuel in der DG-500. Den Rest des Tages fliegen der Alexander in der LS4 und Christian + Fabian im Janus herum und haben, wie ich diversen Funksprüchen entnommen habe, einen Heidenspaß dabei.
Die restlichen Tage werden wettermäßig leicht durchwachsen, aber wir können jeden Tag fliegen und lernen, daß es nicht einfach ist, ohne Gebirgserfahrung sicher zu fliegen und auch oben zu bleiben. Schließlich stößt am 9. Juni noch Eva, die Freundin vom Christian, zu uns. Die beiden wollen noch einen Kurzurlaub in Kroatien verbringen.
10. Juni: Heimreise und Ankunft vom Chef!
An diesem schwülwarmen Tag macht uns die feuchte Luft und die Hitze ziemlich zu schaffen. Christian (zusammen mit Eva) und Fabian versuchen ihr Glück, sind aber beide nach kurzer Zeit wieder am Boden. Mit leichten fahrerischen Navigationsschwierigkeiten erreicht auch Andreas (Boehl) zusammen mit Anette unseren Flugplatz und fliegt pflichtgemäß seine Einweisungsrunde mit dem einheimischen Fluglehrer.
Am späten Nachmittag mache ich mich zusammen mit Fabian auf den Heimweg. Prompt verfahren wir uns gleich am Ortsausgang von Lesce, was angesichts des Janus-Hängers und der engen Dorfstraßen damit endet, daß wir abkuppeln, wenden und einen neuen Versuch starten. Der gelingt und wir erreichen am späten Abend wohlbehalten, aber müde, unsere „Heimatbasis“ Fursty.
In Summe war das Fluglager sicher für alle Beteiligten ein unvergeßliches und schönes Erlebnis. Der Christian hat seinen Part als Jugendleiter super gemeistert, unsere kleine Jugendgruppe hat sich mit ihm ausgezeichnet verstanden. Für mich als neuer Segelflugreferent war es ebenfalls eine tolle Erfahrung.
Fliegerisch haben wir aus meiner Sicht die Möglichkeiten, die Bled bietet, mangels Erfahrung mit wenigen Ausnahmen aber nicht ausschöpfen können. Das, denke ich, sollten wir bei der Wahl des Ortes für unser nächstes Fliegerlager 2005 bedenken. Bitte gebt mir in der nächsten Zeit Inputs für die Diskussion, wo wir im nächsten Jahr unser Fliegerlager durchführen wollen.
Das Wichtigste ist, dass es ein Fliegerlager 2005 gibt, wo auch immer!
Alfred Utzt